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Gendern ist unwissenschaftlich - oder nicht?

Klasse 11, Berufskolleg für Bildung in Medienberufe mbH

Ich war an ein Berufskolleg eingeladen, um dort eine Unterrichtseinheit zum Thema „Hat geschlechtergerechte Sprache eine wissenschaftliche Grundlage?” durchzuführen. Dazu standen mir eine Doppelstunde Deutsch und eine Doppelstunde Politik in einer anderen Klasse zur Verfügung. Ich wollte mit den Schüler*innen drei Themen besprechen:

1. Was ist Gendern?

2. Welche Gründe sprechen für und welche gegen das Gendern?

3. Ist Gendern unwissenschaftlich?

 

In der öffentlichen Diskussion findet sich immer wieder die Behauptung, Gendern sei unwissenschaftlich. Wir haben uns eine prominente Formulierung dieses Arguments im Detail angeschaut, die unter anderem folgende Behauptungen enthält: (i) Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass generische Maskulina eher mit Männern als mit Frauen assoziiert werden. (ii) Studien zum generischen Maskulinum sind nicht aussagekräftig. Um diese Behauptung zu prüfen, haben wir uns mit experimentellen Methoden, die die kognitive Repräsentation untersuchen, näher beschäftigt. Eine prominente Studie haben wir in dem Rahmen, wie es das Setting zuließ, nachgebaut. Die Schüler*innen konnten somit die Methodik selbst nachvollziehen.

Beide Klassen beteiligten sich am Unterricht mit regen Diskussionsbeiträgen. Die Schüler*innen zeigten großes Interesse an der Frage und es zeigte sich, dass sie in vielen Fällen nicht nur Vorwissen, sondern auch eine eigene Haltung zum Thema Gendern haben.

Beide Unterrichtseinheiten waren lebendig und geprägt von offenen Diskussionen. Ich hatte den Eindruck, dass das Thema passend gewählt war und den Schüler*innen nicht nur einen neuen Blick auf ein kontroverses, gesellschaftlich relevantes Thema ermöglichte, sondern ihnen auch ein besseres Verständnis davon vermittelte, was Wissenschaft ist und wie sie funktioniert. Aus den Diskussionen konnte ich einige spannende Fragen mitnehmen, die insbesondere die gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Forschung und ganz besonders die Relevanz von Wissenschaftsvermittlung und -kommunikation betreffen.

 

Die Zusammenarbeit mit der Schule hat wunderbar funktioniert. Ich durfte einen offenen und sehr engagierten Schulleiter, diskussionsfreudige und kritische Schüler*innen sowie Interesse an Wissenschaft erleben.