Erfahrungsberichte

Kinderuni der Forscherkids Wertheim: Die Stadt und die Fortbewegung der Zukunft - Aktuelle Forschungen und Projekte

Wertheim. Wachsende Städte mit Verkehrsproblemen auf der einen, der ländliche Raum mit fehlenden Versorgungseinrichtungen und Ärzten auf der anderen Seite. In der ersten Kinderuni des Wintersemesters im Kulturhaussaal am Samstag den 20. Oktober erfuhren die Juniorstudentinnen und -studenten vieles über die Stadt und die Fortbewegung der Zukunft sowie aktuelle Forschungen und Projekte dazu. Die Kinderuni fand wieder in Kooperation mit der Stadtbücherei Wertheim statt. Zu Beginn überreichte Birger-Daniel Grein, Vorsitzender des Stadtjugendrings Wertheim und ehrenamtlicher Forscherkidsprojektleiter, vier Kindern ein Juniorstudentendiplom für ihre häufige Teilnahme an den Vortägen. Den aktuellen Vortrag hielt Peter Walker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Institut für angewandte Logistik (IAL).

Grein machte einleitend deutlich, dass man für die Kinderuni bewusst auch Spezialthemen auswählen will. "Das Interesse ist wichtiger als eine große Teilnehmerzahl." Die zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der gesamten Region beeindruckten den Dozenten dann auch mit viel Vorwissen sowie zahlreichen Fragen und Ideen zum Thema.

Walker erarbeitete mit den Juniorstudentinnen und -studenten die Definition des Begriffs Logistik. Sie beschreiben verschiedene Ordnungssysteme von Lagern und Transport, die mit Mathematik zu tun haben. Zur wissenschaftlichen Festlegung des Begriffs "Bewegung" gehört neben der eigentlichen Fortbewegung und dem Materialtransport auch die Kommunikation über diese Vorgänge und die Nutzung von Informationstechnik (IT).

Mobilität beschreibe den Grund, warum man sich bewegt, sagte der Referent. Verkehre wiederum sind alle Mittel, die man dazu nutzen kann. Neben den Verkehrsmitteln gehören auch Straßen und Wege sowie die Verkehrsregeln dazu.

Mit Zahlen aus 2011 verdeutlichte er die Nutzung der einzelnen Verkehrsmittel. Bei der Fortbewegung von Personen machen der motorisierte Individualverkehr, also das Fahren mit dem  Auto und Motorrad, 80 Prozent aus. Beim Transport von Waren belegt die Straße 73 Prozent, danach kommt die Eisenbahn mit 16 Prozent. Im Bereich der Umweltfreundlichkeit der verschiedenen Verkehrsmittel diskutierten die Teilnehmer/-innen mit dem Dozenten über die Umweltbilanz und Vor- und Nachteile von Elektrofahrzeugen.

Walker stellte zwei Modellvorhaben vor, die seine Hochschule zusammen mit weiteren Partnern begleitet hat. Im ersten Beispiel ging es um die langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen. Umgesetzt wurde dieses in der Region in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön Grabfeld. Kernthema des Projektes war die Sicherung der "Daseinsversorgung." Dazu gehören unter anderem Einkaufsmöglichkeiten, Strom und Wasserversorgung, Ärzte sowie Bildung und Kultur. Die Menschen im Untersuchungsgebiet würden, wie in vielen Gegenden, immer älter, zugleich fehle es an wichtigen Versorgungseinrichtungen, so Walker.

Im ersten Schritte habe man die vorhandenen Angebote und deren Standorte erfasst. Daraufhin prüfte man in einer "Defizitanalyse", welche Einrichtungen fehlten. Außerdem wurde geschaut, wie die Angebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) zu erreichen waren. "Daraus ermittelten wir dann eine Schulnote." Auch wurde die Altersverteilung der Einwohner betrachtet. "Ältere Bürger können oft nicht mehr so gut öffentliche Verkehrsmittel nutzen." Aus eigener Erfahrung kannten die Juniorstudentinnen und -studenten Probleme mit Bussen. Diese seien meist überfüllt. Walker erklärte, die Busfahrzeiten richten sich meistens nach den Schulzeiten. Damit sei es oft schwierig nach der Schule mit dem Bus zum Hobby zu kommen.

Die Kinder hatten zahlreiche Ideen, wie man vermeiden kann, dass jedes Kind einzeln zum Hobby gebracht wird. Genannt wurden unter anderem private Fahrgemeinschaften und der Bürgerbus.

Walker stellte Ideen aus dem Bereich der Einkaufsmöglichkeiten vor. Dazu gehörten rollende Verkaufsstellen, Lieferdienste, Nachbarschaftshilfe oder ein Dorftreff mit Einkaufsmöglichkeiten. Um Verkehr zu sparen, könnte man das Angebot verschiedener fahrender Händler bündeln. Weiter sollte man Fahrzeuge, die auf dem Rückweg leer sind, nutzen, um Dinge zu transportieren. Die Digitalisierung könne helfen, Angebote zu bündeln. Dazu verwies er beispielsweise auf Mitfahrzentralen. "Der Haken an der Sache ist, nur 20 bis 30 Prozent würden Leute im eigenen PKW mitfahren lassen." Die Gründe dafür seien Vielfältig und reichten vom Wunsch nach Spontanität über Bequemlichkeit bis hin zu Ängsten, Fremde mitzunehmen. Wünschenswert wäre auch ein ÖPNV der nicht nur den Bedarf der Schüler/-innen berücksichtigt.

Das zweite vorgestellte Projekt war der "Green City Plan Würzburg" aus diesem Jahr. Dabei ging es darum, den Stickoxidausstoss in der Stadt zu senken. Dabei entwickelte Ideen waren eine Bündelung des Lieferverkehrs, der Einsatz von Pedelecs als Lastenrädern zum Ausliefern in der engen Altstadt und der verstärkte Einsatz der Elektromobilität. "Ein Elektroauto muss aber erst einmal 80.000 bis 100.000 Kilometer fahren, damit seine Kohlestoffdioxidbilanz neutral wird", ergänzte er. Abschließend warf er einen Blick auf mögliche Fortbewegungsmittel der Zukunft. "Um etwas zu ändern, müssen wir alle bereit sein, bei der eigenen Mobilität umzudenken", gab er den Juniorstudentinnen und -studenten anschließend mit auf den Weg.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.forscherkids-wertheim.de/.