Erfahrungsberichte

Das eigene Auto – ein Auslaufmodell?

Dieser Fragestellung widmete sich Prof. Dr. Petra Schäfer, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences und Leiterin der Fachgruppe „Neue Mobilität“, bei ihrem Vortrag im Rahmen der naturwissenschaftlichen Vortragsreihe des Gymnasiums Philippinum in der Aula der Schule.

„Warum wollen eigentlich alle Menschen Auto fahren? Das hängt ganz wesentlich damit zusammen, dass mit diesem Verkehrsmittel Ausgangsort, Zielort und Zeitpunkt selbst gewählt werden können“, stellte Professorin Schäfer zunächst fest und erläuterte einige allgemeine Ziele der Verkehrsplanung:
Sicherheit, geringe Störungen, Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit. „Eigentlich sind wir die Fahrradnation, nicht die Niederländer“, konstatierte sie mit einem Schmunzeln und dem Blick auf die Statistik, die die stark steigenden Anteile dieses umweltfreundlichen Fortbewegungsmittels in der Bundesrepublik Deutschland dokumentiert. Trotzdem dominiere in den Städten nach wie vor das Auto.

Die Zukunft des Verkehrs sieht die Referentin von vier „Megatrends“ beeinflusst: Urbanisierung, demografischer Wandel, wachsende Mobilität, Klimawandel. „Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der städtischen Bevölkerung um 72% ansteigen“, so Professorin Schäfer. Die Umkehrung der Bevölkerungspyramide seit den 50er Jahren mache es zudem nötig, die Menschen auch im Alter so lange wie möglich mobil zu halten. „Weltweit werden die Menschen zukünftig viel mehr unterwegs sein. Es wird viel mehr Flugzeuge und Autos geben“. Dies führe bereits heute zu massiven räumlichen und umwelttechnischen Problemen in den Großstädten der Schwellenländer, wie sie an den Beispielen Peking und Bangladesch verdeutlichte. „Je größer das Auto und je weniger Menschen damit transportiert werden, desto größer ist die Umweltbelastung“, laute die einfache Gleichung.
Kritisch sei unter diesem Aspekt die drastisch steigende Zahl der neu zugelassenen SUVs in der BRD zu betrachten, die von 107.000 im Jahr 2001 bis auf 900.000 im Jahr 2020 ansteigen werde. Doch welche Lösungsansätze sind denkbar? Ein besonderes Potential sieht sie in den immer beliebter werdenden Pedelecs und E-Bikes, wobei hier allerdings entsprechende Radschnellwege geschaffen werden müssten. „Eine Kaufprämie allein reicht längst nicht aus, um Elektromobilität effektiv zu fördern“, so Professorin Schäfer. Vielmehr sei in den Blick zu nehmen, welche zusätzlichen Dienstleistungen benötigt werden, wobei ein breites Netz an Ladestationen mit einheitlichen Standards oberste Priorität haben müsste. Verschiedene Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, Flugzeug und Auto könnten zudem vernetzt und geteilt werden. „Ein Carsharing-Auto kann acht PKWs ersetzen und so in Sachen Umwelt und Verkehrsplanung für große Entlastung sorgen“, stellte sie fest. In vielen Großstädten Südamerikas aber auch in Koblenz habe sich zudem auch die Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel bereits bewährt.

„Das eigene Auto wird definitiv an Bedeutung verlieren“, lautete das abschließende Fazit der Referentin. Renate Geil, stellvertretende Schulleiterin, bedankte sich bei Professorin Schäfer für den Vortrag mit einem Exemplar der Festschrift „475 Jahre Gymnasium Philippinum Weilburg“. Im Gegenzug überreichte die Referentin eine Urkunde, die die Zusammenarbeit des Gymnasiums mit der „Forschungsbörse“ dokumentiert. Über diese Online-Plattform, die das Ziel hat Wissenschaft und Schule zusammenzubringen, hatte das Organisationsteam der Vortragsreihe um Dr. Markus Horz den Kontakt zu Prof. Dr. Schäfer hergestellt, die sich hier wie viele andere Experten ehrenamtlich engagiert.